Samstag, 8. November 2014

Anastasia- Tochter der Taiga

 Erste Begegnung von Wladimir und Anastasia


Ich hoffte, mit Hilfe der Einwohner des Ortes die beiden Alten
zu finden; dann wollte ich die klingende Zeder mit eigenen Augen
sehen und den billigsten Weg finden, sie zum Schiff zu transportieren.
Ich machte den Kutter an einem Stein fest und wollte schon
zum nächsten Haus gehen, da sah ich eine Frau auf einem Hügel
stehen und ging zu ihr. Sie trug eine alte Wattejacke, einen langen
Rock und Galoschen, wie sie viele Leute des hohen Nordens in
Herbst und Winter tragen. Ihr Kopftuch war so gebunden, dass es
Stirn und Hals völlig bedeckte. Es war schwer, ihr Alter zu schätzen.
Ich begrüßte sie und erzählte ihr von den Alten, die mir letztes Jahr

begegnet waren.
«Wladimir, du hast mit meinem Großvater und meinem Urgroßvater
gesprochen», sagte sie.
Ich war überrascht. Sie hatte eine junge Stimme, eine deutliche
Aussprache, duzte mich sogleich und sprach mich mit meinem
Vornamen an. An die Namen der Alten konnte ich mich nicht erinnern.
Ich wusste noch nicht einmal, ob wir uns einander überhaupt
vorgestellt hatten. Ich dachte: «Bestimmt haben wir das getan. Wie

wüsste sie sonst meinen Namen?» Also beschloss ich, sie ebenfalls zu
duzen, und fragte: «Und wie heißt du?»
«Anastasia», antwortete die Frau und reichte mir ihre Hand mit
der Handfläche nach unten, gleichsam zum Küssen.
Diese Geste einer Dorffrau in Wattejacke und Gummischuhen,
die in jener Einöde am Ufer stand und eine Dame von Welt spielte,
amüsierte mich. Ich drückte ihr die Hand, geküsst habe ich sie natürlich
nicht. Sie lächelte scheu und schlug mir vor, mit ihr in die
Taiga zu gehen, wo ihre Familie lebte.
«Aber wir müssen durch die Taiga gehen, und es ist ein Marsch
von 25 Kilometern ... wenn es dir nichts ausmacht.»
«Nun ja, das ist eine ganz schöne Strecke. Kannst du mir dann
aber die klingende Zeder zeigen?»
«Ja, das kann ich.»
«Kennst du dich mit solchen Bäumen aus? Und wirst du mir
davon berichten?»
«Alles, was ich darüber weiß, werde ich dir mitteilen.»
«Dann lass uns gehen.»..........



Nach etwa fünf Kilometern Waldwanderung machten wir eine
Pause. Sie zog sich die Jacke, das Kopftuch und den langen Rock
aus, legte alle Sachen in eine Baumhöhlung und behielt nur ein
kurzes, leichtes Kleidchen an. Ich war völlig überrascht. Hätte ich
an Wunder geglaubt, so hätte ich das Ganze sicher für eine Art
magische Verwandlung gehalten. Vor mir stand eine junge, tadellos
gebaute Frau mit langem, goldblondem Haar. Sie war von außergewöhnlicher
Schönheit. Ich konnte mir keine Schönheitskönigin
vorstellen, die es mit ihr hätte aufnehmen können, und wie es sich
später herausstellte, war auch ihr Intellekt unvergleichlich. Alles an

dieser Taiga-Lady war attraktiv und bezaubernd.
«Du wirst erschöpft sein», meinte Anastasia. «Willst du dich
ausruhen?» Wir setzten uns ins Gras, und jetzt konnte ich ihr Gesicht
aus der Nähe betrachten: kein Make-up, harmonische Züge,
gepflegte Haut (nicht zu vergleichen mit den wetterrauhen Gesichtern
sibirischer Landfrauen), große, gütige, graublaue Augen und
ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Sie trug nur ein kurzes Kleidchen,
in der Art eines Nachthemds, doch sie schien nicht zu frieren,
obwohl die Temperatur nicht mehr als 12 bis 15 Grad betrug.
Da ich hungrig war, holte ich ein paar belegte Brote und ein
Fläschchen feinen Cognac aus meiner Tasche. Ich bot ihr einen
Schluck an, doch sie lehnte ab. Auch essen wollte sie nicht mit mir.
Während ich aß, lag sie mit geschlossenen Augen selig im Gras und
ließ sich von den Sonnenstrahlen liebkosen. In ihren offenen Handflächen
spiegelte sich das goldene Licht wieder. Sie war schön und
halbnackt.
Wie ich sie so betrachtete, dachte ich: «Wieso entblößen die
Frauen bloß immer ihre Beine, ihre Brüste oder beides gleichzeitig,
indem sie kurze Röcke oder ein Kleid mit tiefem Ausschnitt tragen?
Wohl um die Aufmerksamkeit der Männer auf sich zu lenken. Als
wollten sie sagen: <Seht mich an, wie reizend, verführerisch und
zugänglich ich bin!> Was kann ein Mann da tun? Entweder dem
Verlangen widerstehen und so die Frau mit seiner Gleichgültigkeit
beleidigen oder ihr den Hof machen und gegen Gottes Gebote verstoßen.

Nach dem Essen fragte ich sie: «Anastasia, fürchtest du dich
nicht, allein durch den Wald zu laufen?»
«Ich habe hier nichts zu befurchten», antwortete sie.
«So? Und wie würdest du dich wehren, wenn zwei, drei Männer
— sagen wir Geologen oder Jäger - dich überfallen?»
Statt mir zu antworten, lächelte sie nur.
Ich dachte nach: «Wieso nur hat diese junge, schöne und außergewöhnlich
verführerische Frau vor nichts und niemandem Angst?»
Was dann geschah, ist mir noch heute peinlich ... Ich umarmte sie
und zog sie zu mir heran. Sie leistete kaum Widerstand, obwohl
ich spürte, dass in ihrem wendigen Körper beachtliche Kräfte steck-
ten. Doch mein Annäherungsversuch scheiterte, denn im gleichen
Augenblick schwanden mir die Sinne. Das Letzte, woran ich mich
erinnere, bevor ich ohnmächtig wurde, sind ihre Worte: «Bitte lass
das.» Und noch davor erinnere ich mich, wie mich plötzlich eine
panische Angst überkam, eine grundlose Angst, wie man sie aus der
Kindheit kennt, wenn man allein zu Hause ist. Als ich erwachte,
kniete sie bei mir. Sie hatte eine Hand auf meine Brust gelegt, und
mit der anderen gab sie jemandem nach oben hin und zu den Seiten
Zeichen. Dabei lächelte sie, doch ihr Lächeln galt nicht mir, sondern
irgendjemandem, der uns unsichtbar umgab oder sich über
uns befand. Mit ihren Gesten wollte Anastasia ihrem unsichtbaren
Freund offenbar zeigen, dass ihr nichts Böses geschehe. Dann
schaute sie mir ruhig und zärtlich in die Augen.
«Beruhige dich, Wladimir, alles ist vorbei.»
«Was ist denn geschehen?», wollte ich wissen.
«Die Harmonie hat dein Verhalten mir gegenüber und die in dir
entstandenen Verlangen nicht gebilligt. Später wirst du alles selbst
verstehen.»
«Was hat das alles mit Harmonie zu tun? Du selbst warst es doch,
die sich gesträubt hat.»
«Ja, auch ich habe dein Verhalten missbilligt. Es war mir unangenehm..........................


Wenn du neugierig geworden bist, kannst du das erste Buch herunterladen, Wladimir Megre hat es freundlicherweise zur Verfügung gestellt:

http://liebevoll-wei.se/ANASTASIA-Band1-TochterDerTaiga.pdf









































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